Museums-Eisenbahn Minden

Eingetragener Verein - Mitglied im Verband Deutscher Museums- und Touristikbahnen
Fahrten auf den Mindener Kreisbahnen und auf der Wittlager Kreisbahn

 

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Zeichnung : Klaus Busse

 

Minden und seine Eisenbahnen

 Von der Idee zur Gegenwart - Zur Eisenbahngeschichte Mindens und der Region

Zu den Vereinszielen der Museums-Eisenbahn Minden e.V. zählt nicht nur die betriebsfähige oder museale Erhaltung historischer Eisenbahnfahrzeuge und die Durchführung eines möglichst authentischen Betriebes mit ihnen, sondern auch die Bewahrung und Aufbereitung der historischen Entwicklung der Eisenbahnen im heimischen Bereich. Insbesondere gehören hierzu die Geschichte der früheren Cöln - Mindener Eisenbahn und ihrer Anschlussstrecken  sowie die Historie der Privat - und Kleinbahnen in der Region.

Natürlich kann es nicht die Aufgabe dieser Homepage sein, die historische Entwicklung des Eisenbahnwesens rund um Minden in allen Einzelheiten darzustellen. Hierfür seinen beispielhaft am Ende dieser Seite diverse Buchveröffentlichungen genannt, in denen dieses Thema abgehandelt wird .

An dieser Stelle soll aber ein kurzer geschichtlicher Abriss in Stichworten an bedeutende Ereignisse rund um das Schienennetz in der Region erinnern (nicht vollständig)

 

1825 Der Fabrikant Friedrich Harkort veröffentlicht erste Pläne und Überlegungen über die Anlegung von Eisenbahnen im Ruhrtal, im westfälischen Kohlerevier sowie zu den Nordseehäfen. Er beschreibt die Vorteile billiger Eisenbahntransporte für die Steigerung des Absatzes, Erhöhung der Produktion und damit verbundene Gewinnmaximierung .
1829 Erstes Komitee zum Anschluss Mindens an ein zukünftiges Eisenbahnnetz entsteht.
1831 Friedrich Harkort schlägt erstmals Minden als Ausgangspunkt einer Eisenbahnlinie an den Rhein bei Köln vor.
1832 Die preußische Staatsverwaltung lehnt den Bau einer Bahnlinie von Minden durch das westfälische Kohlerevier an den Rhein mit öffentlichen Mitteln ab. In Minden fordert das Eisenbahnkomitee die Gründung einer privaten Aktiengesellschaft zum Bau der Bahn.
1833 Friedrich Harkort veröffentlicht seine Denkschrift "Die Eisenbahn von Minden nach Cöln". Es setzen darauf Streitigkeiten über den günstigsten Streckenverlauf ein, die erst um 1841 mit Festlegung des endgültigen Streckenverlaufs beigelegt werden.
1836 Das Mindener Eisenbahn-Komitee gründet die "Rhein - Weser - Eisenbahn - Aktiengesellschaft"
1838 Erste Bauarbeiten für die neue Bahnlinie zwischen Minden und Köln beginnen. Wegen Kapitalmangels muss die  "Rhein - Weser - Eisenbahn - Aktiengesellschaft" die Liquidation beantragen. Staatliche Mittel für den Bahnbau werden verweigert.

Erstes Preußische Eisenbahngesetz

1838 - 1841 Sinneswandel der preußischen Stände und Landtage in der Eisenbahnfrage , auch Dank intensiver Lobbyarbeit und Einflussnahme interessierter Kreise aus Industrie, Militär, Wirtschaft und Politik. Im benachbarten Königreich Hannover wird von Anfang an der Eisenbahnbau als Staatsaufgabe gesehen und betrieben.
10.04.1841  Staatsvertrag zwischen Preußen und Hannover über den Bau einer durchgehenden Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und dem Rheinland über Hannover - Minden.
13.04.1843 Gründung der Kgl. Eisenbahndirektion Hannover
09.10.1843 Gründung der "Cöln - Mindener - Eisenbahn-Gesellschaft"
1844 Beginn der Bauarbeiten der Bahnlinie Deutz - Minden
1843 - 1845 Streitigkeiten zwischen den Städten und Landkreisen entlang der projektierten Bahnlinie vom Rhein an die Weser über den genauen Verlauf.
1844 Beginn der Bauarbeiten zur Anlage des künftigen Bahnhofs Minden und der militärischen Befestigungsanlagen. Fertigstellung Ende 1848.
20.12.1845 Eröffnung der Bahnlinie Deutz - Düsseldorf
März 1846 Beginn des Streckenbaus im Bereich Minden
08.02.1846 Eröffnung der Bahnstrecke Düsseldorf - Duisburg
18.05.1847 Eröffnung der Bahnstrecke Duisburg - Hamm über Gelsenkirchen - Herne - Dortmund
15.10.1847 Eröffnung der Bahnstrecken von Hamm nach Minden und von Hannover nach Minden . Damit durchgehende Eisenbahnverbindung Magdeburg - Hannover - Minden - Cöln. Bahnhof Minden wird Gemeinschaftsbahnhof der preußischen "Cöln-Mindener" und der Hannoverschen Staatsbahn. Die "Cöln -Mindener" nutzt den westlichen und nördlichen , die hannoversche Staatsbahn den östlichen Bahnhofsteil. Minden ist Grenzbahnhof und Zollgrenzstelle (bis 1873)
12.12.1847 Eröffnung der Eisenbahnstrecken Wunstorf - Nienburg - Bremen
4.10.1850 Die Westphälische Eisenbahn eröffnet die Bahnstrecke Hamm - Soest - Paderborn
1851 Erster durchlaufender Schnellzug Berlin - Hannover - Cöln (Fahrzeit ca. 16 Stunden)
1846 - 1853  Verhandlungen zwischen dem Königreich Hannover und Preußen über den Bau der Hannoverschen Westbahn (Hannover) - Löhne - Rheine - Emden
21.11.1855 Eröffnung der Hannoverschen Westbahn Löhne - Osnabrück . Im Folgejahr bis Emden erweitert.
15.5.1864 Inbetriebnahme der Hafenbahn in Minden (Alter Weserhafen). Erweiterung der Gleisanlagen des Bahnhofs Minden.
1866 Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen. Hannover wird kgl. preußische Eisenbahndirektion.
1868 Gründung der Hannover - Altenbekener - Eisenbahngesellschaft
1871 Die Cöln-Mindener Eisenbahn eröffnet in Teilabschnitten die Linie Niederrhein - Hamburg. Am 01.9.1871 Streckeneröffnung Münster - Osnabrück .
15.5.1873 Die CME verlängert die Hamburger Bahn um den Abschnitt Osnabrück - Diepholz - Hemelingen (ab 16.8.1873 verlängert bis Bremen)
1873 Aufhebung der Festung Minden.
August 1874 (Ausweich)Rangierbahnhof Neesen wird eingerichtet. 
19.5.1875 Eröffnung der Strecke Löhne - Rinteln - Hameln - Elze der Hannover - Altenbekener Eisenbahngesellschaft. Betriebsführung durch die Magdeburg - Halberstädter Eisenbahn.
20.12.1879 Durch Reichsgesetz wird die Cöln - Mindener - Eisenbahn aufgelöst und der  Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung angegliedert. Streckenabschnitt Minden - Hamm wird der Eisenbahndirektion Hannover zugeteilt. Desgleichen Verstaatlichung der Hannover - Altenbekener Eisenbahn. Strecke Löhne - Hameln wird ebenfalls der Eisenbahndirektion Hannover zugeteilt.
31.12.1880 Die KPEV in nimmt die Strecke Herford - Lage - Detmold in Betrieb
ab 1882 Abriss der Werkstatt-und Gleisanlagen des früheren hannoverschen (östlichen) Bahnhofsteils und Anlage neuer Wagenabstell-, Behandlungs- und Ladegleise. Werkstätten und Lokschuppen der CME werden zu Reparaturwerk für Lokomotiven und Wagen umgestaltet.
15.8.1886 Die KPEV nimmt den Betrieb auf der Linie Brackwede - Dissen - Osnabrück (Haller Wilhelm) auf.
12.06.1895 Die KPEV eröffnet den Betrieb auf der Linie Detmold - Altenbeken
ab 1895 Errichtung eines neuen, großen Bahnbetriebswerks mit zwei Drehscheiben nördlich des Hauptbahnhofs Mindens
9.7.1896 Die KPEV eröffnet die Strecke Lage - Lemgo (ab 31.10.1897 bis Hameln verlängert)
01.10.1899 Bahnlinie Bünde - Lübbecke - Rahden wird eröffnet. Genau ein Jahr später verlängert bis Sulingen. Ab dem 01.8.1901 durchgehender Verkehr bis Bassum und weiter nach Kirchweyhe/Bremen.
01.7.1904 Betriebsaufnahme der Verbindungsbahn Herford - Oberbehme - Kirchlengern
1906 Stationierung eines ständig besetzten  Hilfszuges im Bw Minden
1907 Beginn der Vorarbeiten für die Strecken Nienburg - Minden und Leese-Stolzenau - Stadthagen 
15.1.1910 Die KPEV eröffnet die Nebenbahn Rahden - Uchte - Nienburg
1909 - 1916 Viergleisiger Ausbau des Streckenabschnitts Hamm - Minden mit umfangreichen Veränderungen an Bahnanlagen , Brücken und Bauwerken entlang der Strecke.
1911 Einweihung des neuen Empfangsgebäudes in Porta
27.2.1913 Staatsvertrag zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe wegen des Bahnbaus Minden bzw. Stadthagen - Leese - Nienburg
1913 Beginn der Bauarbeiten für die Strecke Nienburg - Sulingen 
1919 Fertigstellung der neuen Anlagen und Schuppen des  Bahnbetriebswerks Nienburg
1.4.1920 Aus den 8 deutschen Länderbahnverwaltungen wird die Deutsche Reichsbahn gebildet.
1.5.1920 Betriebsaufnahme Nienburg - Leese-Stolzenau. Bauarbeiten vor Beginn des 1. Weltkrieges begonnen, aber wegen Arbeitskräfte- und Materialmangels eingestellt. Wiederaufnahme erst nach dem Ende des 1. Weltkrieges als Notstandsarbeit.
03.5.1921 Bahnstrecke Minden - Leese-Stolzenau wird fertig gestellt. Grunderwerb und Planum ab Beginn für zweigleisigen Ausbau vorgesehen. Ab 2.8.1921 auch der Streckenzweig Stadthagen - Leese-Stolzenau in Betrieb.
1921 - 1923 Nebenstrecke Nienburg - Sulingen - Diepholz in Teilabschnitten fertig gestellt.
Januar 1923 Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen, der von deutscher Seite mit einem passiven Widerstand beantwortet wird. Kohlemangel führt überall zu Einschränkungen des Eisenbahnbetriebs. Ende des passiven Widerstands nach 8 Monaten. Abzug der letzten Besatzungstruppen im Juli 1925.
1924 Umwandlung der Deutschen Reichsbahn in das eigenständige Unternehmen "Deutsche Reichsbahn Gesellschaft - DRG"
10.6.1934 Erste Versuchsfahrt eines neuen Diesel-Schnelltriebwagens von Köln nach Berlin
01.07.1935 Aufnahme des planmäßigen SVT-Verkehrs Köln - Hannover - Berlin. 
1.9.1938 Erzstrecke Neesen - Häverstädt in Betrieb genommen. Stilllegung 30.5.1976.
ab 1940 Einsatz erster Kriegsgefangener und Fremdarbeiter bei den Dienststellen der Reichbahn. In Minden werden diese vor allem in der Güterabfertigung, Wagenreinigung und im Bw eingesetzt.
20.1.1944 Schweres Zugunglück in Porta. 79 Reisende finden den Tod als ein Schnellzug aus Richtung Hamm im Bf. Porta auf einen dort zwangsgebremsten D-Zug auffährt.
6.12.1944 Schwerer alliierter Luftangriff auf das östliche Weserufer Mindens. Erhebliche Beschädigungen an den Bahnanlagen von Reichsbahn und MKB.
14.3.1945 Zerstörung des Bahnhofs Löhne durch alliierte Bombenangriffe. Ebenfalls zerstört werden die Weserbrücken bei Vlotho und Rehme. Beide werden nach dem Krieg nur noch mit der Hälfte der Gleise wieder aufgebaut (Vlotho eingleisig bis heute, Rehme zweigleisig bis 1985). Ebenfalls in der Endphase des 2.Weltkrieges ist der Schildescher Viadukt bereits durch Bombentreffer zerstört. Wiederherstellung erst 1964.
1946-1947 Bielefeld ist Sitz der Hauptverwaltung der westdeutschen Eisenbahnen in der amerikanischen und britischen Besatzungszone. 
7.9.1949 Die Reichsbahnverwaltungen in den drei Westzonen werden zur Deutschen Bundesbahn (DB) 
1951 Lokversuchsamt der DB (LVA) und Zentralamt (EZA , später BZA ) übersiedeln von Göttingen nach Minden und finden hier ihren endgültigen Sitz. Gleichzeitig werden auch die zu dieser Zeit bereits im Versuchseinsatz stehenden Loks der LVA nach Minden umbeheimatet und stellen Sonderlingen im Bestand dar, an die sich Personale und Werkstatt erst gewöhnen müssen.
24.9.1955 Mit Eröffnung der neuerbauten Weserbrücke bei Nienburg wieder durchgehender Zugverkehr nach Rahden und Sulingen 
31.5.1959 Mit Auflösung des Bw Nienburg werden alle dort zuletzt beheimatet Loks zum Bw Minden umstationiert.
07.12.1959 Das Bw Minden erhält die letzten Neubauloks der BR 23 zugeteilt. Am 07.12. wird als letzte Neubaudampflok der DB 23 105 beim Bw Minden in Dienst gestellt
15.2.1965 Nahgüterzugverkehr zwischen Nienburg und Uchte wird eingestellt. Nur noch Übergabeverkehr bis Steyerberg.
28.9.1968 Endgültige Einstellung des Personenverkehrs Nienburg - Uchte - Rahden
29.9.1968 Aufnahme des elektrischen Zugverkehrs auf der Strecke Hamm - Minden - Wunstorf. Das Bahnbetriebswerk Minden wird aufgelöst. Die Dampflokunterhaltung endet. Die letzten hier beheimateten Dampfloks werden zum Bw Löhne umstationiert, die zum Lokversuchsamt gehörenden Maschinen gelangen zum Bw Lehrte.
Elektrischer Betrieb auf der Rollbahn Osnabrück - Bremen - Hamburg aufgenommen.
14.4.1969 Strecke Minden - Nienburg wird elektrisch betrieben
27.9.1969 Einstellung des Personenverkehrs Nienburg - Sulingen
26.9.1971 Aufnahme des regulären IC-Verkehrs bei der DB mit zunächst 4 Linien (nur 1.Klasse) Minden liegt an der IC-Linie 2 und erhält in Tagesrandlage erste IC-Halte.
30.5.1976 Aufnahme des elektrischen Betriebs Löhne - Osnabrück
26.10.1977 Letzter Einsatz einer Dampflok bei der Deutschen Bundesbahn: 043 903 mit Hilfszug des Bw Emden. Unmittelbar danach erlässt die Deutsche Bundesbahn das berüchtigte Dampflokverbot auf ihren Gleisen. Erst anlässlich der bevorstehenden 150-Jahrfeier wird ab 1984 eine schrittweise Aufhebung vollzogen.
1979 Ausdehnung des IC-Verkehrs auf Stundentakt und durchgängige Einführung der 2.Klasse. Minden wird Systemhalt in Tagesrandlagen.
1980 Der Streckenabschnitt Brackwede - Heessen (bei Hamm) wird von IC-Zügen planmäßig mit 200 km/h befahren.
1995 Einstellung der beiden letzten durchlaufenden Zugpaare Bielefeld - Rahden  - Bassum nach Bremen und damit faktische Gesamtstillegung des Abschnitts  Rahden - Bassum (außer Barenburg - Sulingen)
1997 Schnellverkehr Berlin - Hamm - Köln wird auf ICE 2 umgestellt, daneben verkehren noch IR in der Relation Berlin - Bad Bentheim /Münster.
2000 Mit Beginn des Sommerfahrplans übernimmt die Eurobahn den Personenverkehr zwischen (Bielefeld) - Bünde und Rahden
28.5.2000 Aufnahme des S-Bahnverkehrs der Linie 1 Hannover - Minden aus Anlass der EXPO 2000 in Hannover.
14.12.2002 Letzter IR der Linie Berlin - Bad Bentheim/Münster 
Dezember 2003 Als zweite Strecke übernimmt die Eurobahn den Personenverkehr auf der Strecke Löhne - Hameln - Hildesheim von der DB. Die Dieseltriebzüge des Alstom-Typs LINT 41 stellt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) zur Verfügung.
Dezember 2011 Der Regionalzugverkehr Löhne - Hameln - Hildesheim geht von der Eurobahn nach Gewinn des Ausschreibungsverfahrens auf die NordWestBahn über. Es werden weiterhin die LINT 41-Triebwagen der LNVG eingesetzt.
2011 Abriss aller Gleisanlagen des Ortsgüterbahnhofs Minden

Weiterführende Literatur

Werner Menninghaus : Die Cöln - Mindener Eisenbahn in Ostwestfalen   ,  Verlag Uhle & Kleimann , Lübbecke 1983

Ellerbrock / Schuster (Hsg) : 150 Jahre Köln-Mindener Eisenbahn   , Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv , Klartext-Verlag Essen 1997

Manfred Berger : Historische Bahnhofsbauten , Teil II  , VEB Transpress Verlag Berlin , 1987

Wilfried Meyer  :  Eisenbahnen im Landkreis Diepholz  , MBO Verlag Weyhe  1985

Gatter / Oldenstädt : Nienburg und seine Eisenbahn  , Hrsgb  Stadtarchiv Nienburg 1987

Menninghaus / Krause : Die Könglich Westphälische Eisenbahn , Verlag Uhle & Kleimann , Lübbecke 1985

Dr.Erhard Born : Hundert Jahre Hannover-Altenbekener Eisenbahn 1872 - 1972 , Rösler & Zimmer Verlag , Augsburg 1972

Bundesbahndirektion Hannover : 140 Jahre Eisenbahndirektion Hannover  , Hannover 1983

Garrelt Riepelmeier : Bahnhof Löhne , DGEG-Medien GmbH, Hövelhof 2004

Garrelt Riepelmeier : Die Eisenbahn in Lippe , DGEG-Medien GmbH , Hövelhof 2005

Wolfgang Klee : Ostwestfalens letzte Dampflokomotiven , DGEG-Medien GmbH, Hövelhof 2004

Garrelt Riepelmeier, Ingrid u Werner Schütte: Die Eisenbahn in Minden und im Mühlenkreis , DGEG-Medien Hövelhof 2007

 

 

Damals bei der MKB und der WKB

Der Geschichte der Mindener Kreisbahnen und der Wittlager Kreisbahn ist die Museumseisenbahn Minden seit jeher besonders verbunden, befährt sie doch nicht erst seit ihrer Gründung, sondern schon zu Zeiten des Vorgängervereins, aus dem die MEM hervorgegangen ist, das verbliebene Streckennetz beider Bahnen mit den historischen Dampfzügen. Die Museumseisenbahn Minden hält damit auch die Tradition beider Bahnen lebendig und erinnert an die Geschichte dieser Strecken.

In einem kurzen und sicherlich nicht vollständigen Rückblick stellen wir in Stichpunkten die historische Entwicklung beider Unternehmen vor. Beginnen wir mit den größeren und bedeutenderen Mindener Kreisbahnen.

MKB    Geschichtlicher Überblick

  

24.10.1896 Beschluss des Kreistages Minden zur Errichtung eines meterspurigen Schienennetzes im Kreis Minden, ausgehend von Minden.
04.12.1898 Eröffnung des ersten Teilstücks des geplanten Streckennetzes im Kreis Minden mit der  Bahnlinie von Minden-Übergabe nach Uchte (30 km in 1000 mm Spurweite). Es stehen 3 schmalspurige Dampflokomotiven, 8 Personenwagen , 2 Pw-Postwagen , 24 Güterwagen (offen und geschlossen) sowie 12 Rollböcke zur Verfügung
01.09.1903 Eröffnung der Strecke Minden Staatsbf. -Oberstadt - Hille - Eickhorst , ebenfalls in 1000 mm Spurweite
01.07.1907 Fertigstellung des weiteren Streckenteils Eickhorst nach Lübbecke (1000 mm)
1908 Bau des Industriegleises Minden-Übergabe nach Leteln ,zunächst ebenfalls Meterspur, danach ab 1916 3-schienig. 1911 verlängert bis zur Ziegelei Leteln  entlang der Lahder Str.
1915 Inbetriebnahme der Anschlussgleise zu den neu entstandenen Kanalhäfen in Minden (Westhafen , Osthafen und Industriehafen) Ausführung von vornherein in Normal-und Meterspur. Aufstellung je eines bahneigenen Ladekrans. Hafengleis zum Kanalhafen Hille ebenfalls fertiggestellt.
01.08.1915 Eröffnung der Strecke Kutenhausen - Stemmer - Wegholm (1000 mm). Die geplante Weiterführung bis Rahden kommt nicht mehr zustande, da die KPEV mittlerweile die Linie Rahden - Uchte - Nienburg erstellt hat.
1916 Eröffnung des Anschlussgleises zum Abstiegshafen (MILAG) , ebenfalls bereits 3-schienig. Einbau eines Normalspurgleises auf allen Streckenteilen im Stadtgebiet Minden.
1917 Ankauf der ersten regelspurigen Dampflok 20 für den Rangierbetrieb auf den Normalspur-und Dreischienengleisen im Stadtbereich Minden. Es handelt sich um eine von der KPEV altbrauchbar übernommene pr. T 3.
01.07.1918 Betriebsaufnahme der Linie Minden-Übergabe - Nammen zum Anschluss der Kohlenzechen in Notthorn und Meißen (1000 mm)
29.07.1919 Eröffnung der normalspurigen Bahnbetriebes Bückeburg - Minden Stadt der Bad Eilser Kleinbahn. 
01.05.1921 Verlängerung der ursprünglich bis Rinteln geplanten Strecke von Nammen bis Kleinenbremen unter Nutzung der hier schon vorhandenen Zechenanschlussbahn Kleinenbremen - Porta der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hütten AG.
1922 Stilllegung und Abbau der BEK-Strecke von Bückeburg bis Notthorn.
1923 Einbau eines Normalspurgleises auf der Kleinenbremer Strecke bis zur Zeche Meißen.
1926 Die Uchter Strecke erhält ein drittes Gleis in Normalspur zum Anschluss der Ziegelei Heisterholz (Hp Moorhoff)
1927 Einbau des 3. Gleises auch in die Lübbecker Strecke, zunächst bis Minden - Königstor zum Anschluss der Firma Küster.
1929 Verlängerung des 3-Schienengleises bis Petershagen
1935 Einbau einer dritten Schiene und damit Normalspurbetrieb zwischen Meißen und Kleinenbremen im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Dritten Reiches.
1944 / 1945 Luftangriffe führen zu schweren Schäden an Gleisanlagen , Gebäuden und Fahrzeugen.
1949 Erste MKB-Buslinie Minden - Kleinenbremen - Rinteln
1949 Umbau der Strecke Petershagen - Uchte auf Normalspur, ab 01.09.1949 Umstellung des gesamten Personenverkehrs Minden - Uchte auf Regelspurbetrieb. Gleichzeitig Beginn des Abbaus des Schmalspurgleises auf der gesamten Linie Minden - Uchte.
1953 Strecke Kutenhausen - Wegholm wird auf Normalspur umgebaut. Ab 01.08.1953  nur noch regelspuriger Personenverkehr mit Dieselfahrzeugen.
18.05.1953 Einstellung des Schienenpersonenverkehrs an Sonn -und Feiertagen
1954 Erster Erwerb von ehemaligen Wehrmachtslokomotiven der Reihe WR 360 C (Bauart DWK) von der DB.
01.10.1956 Abschluss der Umspurungsarbeiten Minden - Hille. Aufnahme des Regelspurbetriebes. Schmalspurdampflok 16 als Dampfspender an die Großwäscherei Simeonsbetriebe abgegeben
17.12.1957 Aufnahme des Normalspurbetriebes Hille - Lübbecke . MKB-Züge werden in den DB-Bahnhof eingeführt. Aufgabe des  Schmalspurbahnhofs Lübbecke und des letzten schmalspurigen Schienenverkehrs.
1958 Ausmusterung der letzten schmalspurigen Dampflok 16
1959 Einstellung der Kohlenförderung im Revier Meissen
31.10.1959 Einstellung des Personenverkehrs Minden - Wegholm.
31.12.1962 Einstellung des Personenverkehrs Minden - Kleinenbremen
1967 Einstellung des Personenverkehrs zwischen Uchte und Petershagen sowie zwischen Hille und Lübbecke mit Beginn des Winterfahrplans
1970 Ausmusterung der letzten MKB-Dampflok 25
1.10.1972 Unterbrechung der MKB-Strecke Hille - Lübbecke an der Kanalbrücke Hille. Engültige Einstellung des Zugbetriebes.
1972 Als Initiative der Mindener Feldschlößchen Brauerei in Kooperation mit MKB und Stadt Minden entsteht der Bier-Express, ein Sonderzugangebot auf den verbliebenen MKB-Strecken für Betriebsausflüge, Reisegruppen und sonstige Charterfahrten. In den 1980er-Jahren nach Eröffnung des Besucherbergwerks Kleinenbremen und Einrichtung der Mühlenroute in Mühlen-Express umgetauft.
1973 Einstellung der Bedienung der Feldschlößchen Brauerei an der Marienstraße in Minden
1974 Endgültige Einstellung der letzten Schülerzüge nach HilleEndgültige Einstellung der letzten Schülerzüge nach Hille (Beginn der Sommerferien) und Petershagen (April). Erster Einsatz von Dampfzüge der DEW auf den MKB-Strecken.
31.12.1975 Endgültige Stilllegung Kutenhausen - Wegholm
27.11.1977 Letzter MEM-Dampfzug und insgesamt letzter Zug auf dem Abschnitt Kreuzkrug-Uchte, die zum 31.12.1977 stillgelegt wird.
1976 - 1980 Abbau der stillgelegten Strecken nach Wegholm , Lübbecke und Uchte
1979 Stilllegung Kreuzkrug - Todtenhausen
1997  Aufnahme des regulären Kohleverkehrs zum Kraftwerk Veltheim ab Hafen Hille
1998 Einstellung des letzten Personenverkehrs der MKB : der Charterzug "Mühlenexpress" wird aufgelöst. Die verbliebenen Wagen an verschiedene Museumsbahnen verkauft.
2001 Verlagerung des Kohleverkehrs zum Kraftwerk Veltheim zum Nordseehafen Nordenham
2003 Beschaffung der Großlokomotiven V 19 (Vossloh-MaK) und V 20 (Bombardier-Henschel)
2004/2005 Grundinstandsetzung der Mindener Weserbrücke und Austausche aller Vorflutbrücken zur langfristigen Sicherung des Zugverkehrs auf dem linken Weserufer nach Hille
2005 MKB gründet zusammen mit den Verkehrsbetrieben Extertal, Bösingfeld , der Abellio GmbH, Essen und den moBiel GmbH, Bielefeld das Gemeinschaftsunternehmen WestfalenBahn GmbH, um sich als Eisenbahnverkehrsunternehmen an der Ausschreibung des Regionalzugnetzes "Teutoburger Wald" zu bewerben.
31.12.2005 Ende des Kohleverkehrs zum Kraftwerk Veltheim. Die Transporte werden wieder von DB-Railion übernommen. Die V 20 wird als Charterlok an andere Eisenbahnunternehmen vermietet., später an die HVLE verkauft.
31.10.2006 Endgültige Stilllegung Todtenhausen - Minden-Oberstadt
2006 Eröffnung eines neuen Industrieanschlussgleises zur Berentzen-Brennerei, Hartum (früher Strothmann)
09.12.2007 Die WestfalenBahn GmbH, an der die MKB zu 25% beteiligt ist, nimmt den regulären Eisenbahnbetrieb im Teutoburgerwald-Netz auf. Der Verkehrsvertrag läuft über 10 Jahre. Hierfür wurden von Stadler, Pankow 14 dreiteilige und 5 fünfteilige Elektrotriebzüge vom Typ Flirt geliefert.
Mai/Juni 2010 Vollständiger Abbau des Streckenabschnitts Minden-Oberstadt bis Todtenhausen.
01.03.2012 Inbetriebnahme der ersten selbst disponierten Elektrolokomotive mit der Bezeichnung 145 CL 013 (145 091-5) für den neu gewonnenen Kühlcontainerverkehr von Minden nach Bremerhaven und Hamburg.

 

WKB    Geschichtlicher Überblick

24.05.1891 Gründung des Eisenbahnbauvereins für den Kreis Wittlage.
05.04.1895 Beschluss des Kreises Wittlage zur Errichtung einer kreiseigenen Eisenbahn und Einrichtung einer Eisenbahn-Baukommission.
04.03.1898 Gründung der Wittlager Kreisbahn AG. Gesellschafter sind die Staaten Preußen und Oldenburg , die Provinz Hannover, der Amtsverband Vechta ,die Gemeinden entlang der Strecke sowie eine größere Anzahl von Privatpersonen.
09.08.1900 Eröffnung der Stammstrecke Holzhausen - Preußisch Oldendorf- Essen - Bohmte. Vorhanden sind 3 kleine B-gekuppelte Dampflokomotiven, 4 Personenwagen, 1 Packwagen sowie 6 Güterwagen
1904 Es werden über 125.000 Personen und über 20.000 t Güter befördert. Der Bahnverkehr entwickelt sich zufriedenstellend. Es werden Überschüsse erzielt. Die Bahn fördert die Ansiedlung zahlreicher Betriebe in den Orten entlang der Strecke
1910 - 1913 Erwerb von drei gebrauchten Dampflokomotiven Bauart T3 von der KPEV sowie weiterer Personen- und Güterwagen
1912 Errichtung der Kanalbrücke Wehrendorf im Zuge des Bau des Ems-Weser-Kanals (Mittellandkanal). Baubeginn der Verlängerungsstrecke nach Damme.
01.07.1914 Eröffnung der Verlängerung Bohmte - Hunteburg - Damme i.O. zum Anschluß an die GOE-Strecke Holdorf - Damme. Aus der neu errichteten Moorzentrale in Schwegermoor werden bis zum Ende des Bahnbetriebes auf dieser Strecke große Mengen Torf abgefahren.
1918 Das letzte Jahr des 1.Weltkrieges bringt in schwieriger Zeit eine Rekordzahl an Fahrgästen : über 473 000 Personen.
1935 Beschaffung des ersten WKB-Dieseltriebwagens T 1 . Im nächsten Jahr folgt T 2.
1939 - 1943 Bau des Luftwaffen-Tanklagers in Preuß.Oldendorf mit Gleisanschluss an den Bf. Preuß.Oldendorf
1941 Lieferung der letzten WKB-Dampflok "Bohmte II"
03.04.1945 Sprengung der Kanalbrücke Wehrendorf . Am 24.10.1945 Wiederaufnahme des Bahnverkehrs nach Ende des Krieges.
1946 Wiederaufbau der Kanalbrücke Wehrendorf.
1948 Die WKB begeht in schweren Zeiten ihr 50-jähriges Bestehen
01.11.1949 Durchgangsverkehr bis Lübbecke
1949 - 1951 Die WKB erwirbt mehrere altbrauchbare Triebwagen von der Bundesbahn bzw. über andere Bahnen ehemalige DR-Triebwagen, darunter mehrere Wismarer Schienenbusse, die ursprünglich von den Saarbahnen stammen.
10.09.1955 Indienststellung der ersten WKB-eigenen Diesellok DL 1 (bis 1996)
18.03.1958 Inbetriebnahme der zweiten Diesellok DL 2 (bis 1995), die letzte WKB-Dampflok "Bohmte II" wird abgestellt. Ab jetzt nur noch Dieselbetrieb auf der WKB.
1961 Aus wirtschaftlichen Gründen wird die Betriebsführung an die Bentheimer Eisenbahn übertragen (bleibt bis Ende 1978 bei der BE). Verkauf der letzten Dampflokomotive.
29.09.1962 Einstellung des Personenverkehrs auf dem Abschnitt Schwegermoor - Damme i.O. Tatsächlich wurde der Verkehr bereits mit Beginn des Sommerfahrplans beendet. Im gleichen Jahr Umstellung der ersten Verkehre auf eigenen Busbetrieb.
17.05.1963 Gesamtstilllegung und Abbau des Abschnitts Schwegermoor - Damme .
1964 Auflassung des Personenverkehrs Hunteburg - Schwegermoor
24.09.1966 Gesamteinstellung des Personenverkehrs zwischen Holzhausen=Heddinghausen und Hunteburg . Es verbleibt noch ein Zugpaar zwischen Preuß.Oldendorf und Bohmte morgens für den Schüler-und Berufsverkehr
25.09.1971 Endgültige Einstellung des letzten Personenverkehrs
13.10.1973 Erster Museumsbahnzug auf der WKB. Danach gelegentliche Dampfzüge der Dampfeisenbahn Weserbergland bis 1976.
25.09.1977 Aufnahme des bis heute andauernden Museumsbahnverkehrs durch die Museums-Eisenbahn Minden
1980 Gleisanschluss zum Hafen Wehrendorf angelegt.
01.11.1996 In Bohmte wird der neue Betriebshof eingeweiht. Er dient jetzt nahezu ausschließlich dem Busverkehr.
1997 Sperrung des Streckenabschnitts Holzhausen=Heddinghausen - Preuß. Oldendorf wegen Oberbauschäden
31.12.1999 Sperrung der Strecke Bohmte - Schwegermoor für den Personenverkehr wegen Oberbauschäden. Am 02.01.2000 verkehrt der letzte MEM-Dampfzug auf dieser Strecke.
Mai 2000 -
Juni 2001
Die Talent-Triebwagen der Eurobahn werden bis zur Fertigstellung des eigenen Betriebshofs in Bielefeld in der MEM-Fahrzeughalle Pr. Oldendorf gewartet. Zur Überführung ins DB-Netz wird der Streckenabschnitt Pr. Oldendorf - Holzhausen wieder befahrbar gemacht, darf aber nur von Leerzügen befahren werden.

 

Weiterführende Literatur

Gerd Wolff : Deutsche Klein-und Privatbahnen, Bände 2 und 3, Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn

Ingrid und Werner Schütte : Die Mindener Kreisbahnen , Verlag Uhle & Kleimann, Lübbecke

Hans Schweinefuß , Bernhard Uhle : Die Wittlager Kreisbahn , Verlag Uhle & Kleimann, Lübbecke

Pressemeldungen der MKB und VLO

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