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Die neuen Preußen in
Minden :
2950
Königsberg
2815 Erfurt
2902 Essen

Im endgültigen Erscheinungsbild kurz vor
der Fertigstellung Foto: W.Kohnen
Im April 2001 hat
MEM den historischen Preußenzug um einen neuen Buffet-Wagen ergänzt ,
der die Bezeichnung"2950
Königsberg" trägt. Wir Können nun den Fahrgästen
auch unterwegs ein großes Angebot an Snacks sowie kalten und warmen
Getränken in gediegener Atmosphäre anbieten. Wir hoffen, dass Sie als
Fahrgast reichlich davon Gebrauch machen und es sich dort gut schmecken
lassen werden.
Es war jedoch ein
weiter und schwerer Weg, bis aus diesem Fahrzeug das geworden ist, was
Sie heute als einen mustergültig in historischem Erscheinungsbild
restaurierten und dennoch mit allen technischen Errungenschaften der
Neuzeit ausgestatteten preußischen Dreiachser bestaunen können.
Beispielhaft für
die zahlreichen im Laufe der Jahre von der Museums-Eisenbahn Minden
wieder aufgebauten Wagen wollen wir Ihnen den Werdegang dieses seltenen
Exemplares alten Waggonbauhandwerks des ausgehenden 19. und frühen
20.Jahrhunderts hier aufzeigen: Es handelt sich hierbei um einen der
letzten für die ehemalige Königlich Preußisch Eisenbahn-Verwaltung
entwickelten und gebauten Personenwagen überhaupt. Er gehört der
Gattung C 3 i tr Pr.15(18) an und wurde ursprünglich als
Mehrzweckfahrzeug entwickelt, d.h. er konnte in Friedenszeiten als
Personenwagen mit Traglastenabteil und in Kriegszeiten als Lazarettwagen
genutzt werden. Dies erklärt auch den Umstand, dass dieser Wagentyp während
des Ersten Weltkrieges in großen Stückzahlen gebaut wurde. Gleichwohl
konnten sich nur ganz wenige Exemplare bis in die heutige Zeit hinüber
retten. Der Wagen "2950
Königsberg" ist einer davon.
 
Der spätere Wagen "2950 Königsberg"
nach dem Eintreffen in Minden.
Fotos: W.Kohnen
MEM-Wagenmeister
Klaus Görs hatte den seltenen Wagen kurz nach der deutschen
Wiedervereinigung im ehemaligen Bw Ludwigslust zusammen mit einem
weiteren preußischen Dreiachser "852
Altona" aufgespürt. Beide Wagen waren nach dem Ende
ihres aktiven Einsatzes bei der Deutschen Reichsbahn, wo sie auch stark
verändert worden waren, dem Verkehrsmuseum in Dresden übergeben worden
und sollten für den Einsatz im Traditions-Personenzug der DR im AW
Potsdam originalgetreu restauriert werden. Hierzu kam es jedoch wegen
fehlender Mittel und Arbeitskapazitäten nicht. Beide Fahrzeuge dienten
zunächst als Werkwagen im AW Karl-Marx-Stadt. Bis zur
vorgesehenen Aufarbeitung in Potsdam wurden beide Wagen als
Aufenthalts-bzw. Umkleideräume bei den Verkehrsbetrieben Dresden
verwendet. In den Wirren der Wendezeit gelangten beide Wagen in die
Obhut des Ortsverbandes Ludwigslust des DMV und sollten dort zusammen
mit weiteren, an anderen Orten in Mecklenburg abgestellten historischen
Wagen den Grundstock für einen Traditionszug-Betrieb an der Ostseeküste
bilden. Die Auflösung der Organisationsstrukturen des DMV und auch der
DR nach der Wende ließ jedoch dieses Vorhaben scheitern.
Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verkehrsmuseums Dresden als
Eigentümer der Wagen konnte schließlich ein Fahrzeugtausch zwischen
MEM und dem VM Dresden erreicht werden. Zwei Wagen sächsischen
Ursprungs, die sich in MEM-Obhut befanden und ursprünglich für den
Einsatz mit den MEM-Dampfzügen vorgesehen waren, gelangten auf diese
Weise zurück nach Sachsen und sind nunmehr vom VM Dresden zur
Wiederherstellung vorgesehen . Für MEM ging damit ein langgehegter
Wunsch in Erfüllung, nämlich den Preußenzug um authentische Wagen
dieser typischen Bauart zu ergänzen.
Beide Wagen erreichten schließlich im Februar 1997 den Bahnhof
Minden-Oberstadt, allerdings bezeichnenderweise auf der Straße. Vielfältige
organisatorische Schwierigkeiten und das Kompetenzwirrwarr zwischen den
verschiedenen Dienststellen der neuentstandenen DB-Cargo AG verhinderten
einen "artgerechten" Transport auf der Schiene.
 
Aufnahmen vom Wiederaufbau des
Wagens
Unter maßgebender Förderung durch das Arbeitsamt Herford wurde im
Rahmen einer Beschäftigungs-und Qualifizierungsmaßnahme unter dem
Titel "Restaurierung historischer Eisenbahnfahrzeuge" in einer
mehr als 3 Jahre dauernden Arbeit das Fahrzeug vollständig neu
aufgebaut. Hierbei waren eine fast unübersehbare Anzahl von
Schwierigkeiten zu meistern. Einen großen Raum nahm allein die
Nachfertigung von Waggonteilen in Anspruch. Viele Teile mussten nach
Zeichnungen oder Vorlagen neu angefertigt werden. Projektleiter
Hans-Joachim Scharmacher könnte ein dickes Buch über alle Probleme und
Klippen, die während der Aufarbeitung zu bewältigen waren, schreiben.
Einen nennenswerten Anteil haben auch heimische Unternehmen zur
Fertigstellung beigetragen. In erster Linie ist die Privatbrauerei Ernst
Barre in Lübbecke zu nennen, von der die Thekeneinrichtung samt
technischer Ausrüstung stammt sowie die Fa. Melitta, Minden, die Sitzbänke
und Tische zur Verfügung stellte. Finanzierungshilfe leistete das
Land Nordrhein-Westfalen, die NRW-Stiftung sowie die Sparkasse Minden-Lübbecke.
 
Die Aufnahmen von Werner Kohnen lassen
erkennen, dass es sich wirklich fast um einen Neubau handelt

2815 Erfurt
2902 Essen
Am
Sonntag, den 28.08.2005 , wurden nach jahrelanger Aufarbeitung zwei
Durchgangswagen für Nebenbahnen der preußischen Gattung Di in den
regulären Museumsbahneinsatz übernommen. Beide Wagen aus den 90er
Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Minden zu großen Teilen im Rahmen
von AB-Maßnahmen grundlegend aufgearbeitet, was teilweise einem völligen
Neubau gleichkam, und stellen damit eine wertvolle Ergänzung der
bundesweit einzigartigen Sammlung von betriebsfähigen Fahrzeugen der Königlich
Preußischen Eisenbahn-Verwaltung (KPEV) aus der Zeit um 1900 dar. Die
Museumseisenbahn Minden hat damit einen weiteren wichtigen Schritt in
der Umsetzung ihres musealen Konzeptes der orginalgetreuen Präsentation
eines typischen Nebenbahnzuges aus der Kaiserzeit verwirklicht. Zusammen
mit den weiteren Wagen und Triebfahrzeugen, die in den kommenden Jahren
den Preußenzug vervollständigen werden, festigen die engagierten
Museumsbahner ihre besondere Stellung innerhalb der deutschen
Museums-und Touristikbahnen und können den Fahrgästen und Besuchern
neben einem nostalgischen Eisenbahnerlebnis auch ein besonderes Stück
preußischer und damit deutscher Eisenbahngeschichte anschaulich machen.
Beide Wagen werden zukünftig ständig im Zugverband des historischen
Preußenzuges eingesetzt werden und ersetzen zwei Durchgangswagen
anderer Herkunft, die bereits zu Beginn dieses Jahres an die
Hespertalbahn in Essen bzw. die WAB nach Altenbeken abgegeben wurden.
Beiden Wagen ist gemeinsam, dass über ihren Ursprung nur wenig bekannt
ist, sie beide als Wagen der damaligen IV. Klasse gebaut und nunmehr bei
MEM als Sitzwagen der III. Klasse restauriert wurden.
Einen
historisch verbürgten einzigartigen Lebenslauf hat der nunmehr als
"ERFURT
2815" in MEM-Dienste gestellte ältere der beiden
Wagen aufzuweisen. Von ihm ist anhand alter Wagenkarten bekannt, dass er
einer im Jahre 1896 hergestellten Serie von IV.-Klasse-Durchgangswagen
entstammt, die die Firma Düsseldorfer Eisenbahnbedarf , vorm. Weyer, an
die KED Erfurt lieferte. Aber bereits im Jahre 1902 werden aus dieser
Serie vier Wagen von der
damaligen Hauptwerkstätte Tempelhof für den Einsatz in Hilfszügen zu
Arztwagen umgebaut, die in verschiedenen Knotenbahnhöfen Thüringens,
so in Saalfeld, Gotha , Meiningen und Eisenach stationiert wurden. Durch
seine Verwendung als Bahndienstwagen hat dieser Wagen die Jahrzehnte überdauert
.Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Verwendung als rollendes
Operationszimmer nach 1950 nicht mehr stattgefunden hat und unser Wagen
zu einem gewöhnlichen Mannschaftswagen im Hilfszugeinsatz degradiert
wurde, wenngleich Teile der Einrichtung, insbesondere das gläserne Dach
über dem Operationsraum bis zuletzt vorhanden blieben. Letzte
Einsatzstelle bei der Deutschen Reichsbahn war das Bw Vacha. Von dort
gelangte er in gleicher Funktion zum VEB Kaliwerk Werra in Merkers und
erlebt dort die Wende und den Niedergang der Kaliförderung an diesem
Standort zu Beginn der 90er Jahre des 20.Jahrhundert. Zu Beginn des
Jahres 1997 erwirbt die Museumseisenbahn Minden den mittlerweile nach
Altenbeken gelangten Wagen und rüstet ihn zu einem rollenden
Ausstellungsraum für die Jubiläumsfeiern "150 Jahre Cöln-Mindener
Eisenbahn" im Herbst 1997 um. Nach dem Ende des Jubiläumsjahres
beginnt die Zerlegung zum Zwecke des Neuaufbaus. Um für den
Museumsbahneinsatz von Nutzen zu sein, entschließen sich die
MEM-Verantwortlichen aus wirtschaftlichen Überlegungen, das Fahrzeug
als Wagen III.-Klasse mit Lattenbänken und den charakteristischen
Doppelfenstern aufzubauen. Die zunächst erwogene Wiedererrichtung als
Arztwagen in seiner ursprünglichen Bauform von 1902 scheitert an der
stark eingeschränkten Einsetzbarkeit und fehlenden Sponsoren. Als Arzt-
und Operationswagen wäre er zu einem dauerhaften Ausstellungsstücke
geworden und nicht in das Mindener Preußenkonzept zu integrieren
gewesen, dass eindeutig die Darstellung aller Fahrzeuge im echten
Eisenbahnbetrieb in den Vordergrund stellt. Die gewählte Wagennummer
"ERFURT
2815" gehört zu den vier Wagen, die 1902 von der KED
Erfurt umgebaut wurden; nicht eindeutig identifiziert ist jedoch bis
heute die tatsächliche Ursprungsnummer dieses Wagens . Sie hätte auch
"ERFURT 2812 , 2813 oder 2814" lauten können.
Der Wagen, dessen betriebsfähige Aufarbeitung sich mit längeren
Unterbrechungen über 7 Jahre hinzog, wurde in zahlreichen Belangen
wieder in den Zustand der preußischen Nebenbahnwagen der Gattung Ci pr.
94 versetzt. Auf den Einbau eines Aborts wurde zugunsten zusätzlicher
Sitzplätze verzichtet. Sämtliche Arbeiten wurden von den über viele
Jahre bei der Museumseisenbahn Minden beschäftigten Mitarbeitern im
Rahmen von ABM-Maßnahmen sowie den Aktiven des Vereins in Minden ausgeführt.
Lediglich die Aufarbeitung der Radsätze und Achslager wurde wie bei
anderen Wagen zuvor in die kompetenten Hände der Westfälischen
Lokomotivfabrik Reuschling in Hattingen abgegeben.
Ebenfalls
in der dunkelbraunen Lackierung der preußischen Nebenbahnwagen der
III.-Klasse fährt der nunmehr als "ESSEN
2902" bezeichnete Plattformwagen , der als zweites
Fahrzeug am 28.08.2005 offiziell in die Dienste der Museumseisenbahn
Minden gestellt wird. Auch bei diesem Wagen, der ursprünglich ein Wagen
der IV-Klasse nach Musterblatt I 8a von 1894 war, erfolgte der Neuaufbau
als Sitzwagen der III.-Klasse nach
Zeichnung der Bauart Ciu pr 94. Einen Abort hat dieser Wagen ebenso
erhalten wie die ursprüngliche Dampfheizung. Alle Sitzbänke wurden in
Eschenholz neu gefertigt.
Der
Wagen "ESSEN
2902" wurde, soweit ist dokumentiert, 1897 in Aachen
erbaut. Es handelt sich also um ein entweder von Talbot oder von der
wenig bekannten Waggonfabrik Goossens hergestelltes Fahrzeug für die
KED Essen. Für den Berufs- und Reiseverkehr im Ruhrgebiet und den
angrenzenden Regionen setzte die KED Essen nahezu ausschließlich
Abteilwagen ein, Durchgangswagen der Bauarten Ci und Di waren nur in
geringer Stückzahl vorhanden. Während des ersten Weltkrieges erfolgt
der Umbau für den Einsatz in den damals sehr wichtigen Lazarettzügen
des Heeres. Die hierbei vorgenommenen Änderungen hat auch dieses
Fahrzeug über die Jahrzehnte bis zum Einsatzende behalten. Sie wurden
aus Gründen der Authentizität auch beim Neuaufbau überwiegend
belassen.
Über
die weitere Einsatzgeschichte ließen sich bisher keine Einzelheiten
ermitteln. Wann der Wagen in die RBD Erfurt gelangte steht nicht fest,
ebenso sind die Einsatz- oder Heimatbahnhöfe sowie seine Funktion als
Bahndienstwagen noch nicht
bekannt. Der Wagen gelangte zum Bww Erfurt, wo er zuletzt als
Unterhaltungswagen für die mechanische Wagenwaschanlage eingesetzt war
und zu diesem Zweck mit einem Dacharbeitstand ausgerüstet worden war.
Im Frühjahr 1990 wurde er von einem MEM-Mitglied in Erfurt
"entdeckt" und nach seiner endgültigen Ausserdienststellung
bei der RBD Erfurt von MEM erworben.
Die
Restaurierung in Minden erfolgte arbeitsteilig durch ABM-Beschäftigte
und MEM-Aktive und zog sich über mehrere Jahre hin.
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Die
"neuen" Preußen der Museums-Eisenbahn Minden e.V.
Essen
2902
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Erfurt
2815 |
Altona
852
Für Freunde historischer
Reisezugwagen und Liebhaber preußischer Eisenbahnen war der Termin
08.06.2008 von besonderem Interesse, denn die Museums-Eisenbahn
Minden hat den neu aufgebauten Personenwagen „Altona 852"
erstmals öffentlich präsentieren. Es handelt sich hierbei um einen
Dreiachser der Bauart BC3i pr.05 nach Musterblatt I c.3, der als erster
MEM-Wagen Polsterabteile 2. Klasse aufweist und so ein besonderes
Beispiel der Reisekultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts darstellt.
Neben dem bereits seit Jahren im
Einsatz befindlichen Wagen Königsberg
2950 , der der jüngeren Bauart D3i pr.18, entspricht,
kann MEM nun auch den zweiten preußischen Dreiachser in den Zugverband
des preußischen Nebenbahnzuges aufnehmen, der die Museums-Eisenbahn
Minden weithin bekannt gemacht hat.
MEM hat damit nunmehr, so kurios es
klingen mag, das Werk beenden, dass die Deutsche Reichsbahn der DDR in
den 1980-Jahren begonnen hat. Die beiden preußischen Dreiachser standen
bei der DR bis Anfang der 1970er- Jahre noch im täglichen Einsatz, wenn
auch mit zwischenzeitlich stark veränderter Inneneinrichtung. Bereits
zum Zeitpunkt ihrer Außerdienststellung hatte man bei der DR und beim
Verkehrsmuseum Dresden den historischen Wert dieser Fahrzeuge erkannt
und erfolgreich durch Umsetzungen innerhalb der DR-Dienststellen und
Übereignungen an reichsbahnfremde Betriebe die Zerlegung oder den Umbau
zu Bahndienstwagen zu verhindern gewußt. Nach Unterstellung im RAW
Karl-Marx-Stadt wurden beide Wagen an den VEB Verkehrsbetriebe Dresden
übergeben und dort für innerbetriebliche Zwecke als Aufenthalts-und
Umkleidewagen verwendet. So konnten beide Wagen über die Zeit gerettet
werden, bis endlich das RAW Potsdam im Jahre 1989 mit der
Wiederherstellung im Ursprungszustand beginnen sollte. Noch im Dezember
1989 waren die Zeichnungen zur Rekonstruktion fertiggestellt worden. Der
Wiederaufbau sollte in den Jahren 1990 und 1991 im RAW Potsdam erfolgen,
das bereits in den früheren Jahren bei der originalgetreuen
Wiederherstellung des Veltener Museumszuges sowie zahlreicher anderer
Länderbahnwagen hervorragende Arbeit geleistet hatte und große
Erfahrung beim Aufbau historischer Wagen besaß. Jedoch kam es hierzu
nicht mehr. In den Wirren der Wendezeit aufgrund der
auseinanderbrechenden Strukturen der DR gelangten beide Wagen statt
dessen in die Obhut des DMV, Ortsgruppe Ludwigslust Sie sollten zusammen
mit weiteren, an anderen Orten in Mecklenburg abgestellten historischen
Wagen den Grundstock für einen Traditionszug-Betrieb an der
Ostseeküste bilden. Die Auflösung der Organisationsstrukturen des DMV
und auch der DR nach der Wende ließ jedoch dieses Vorhaben scheitern.
In Ludwigslust wurden sie im Sommer 1990 eher zufällig von einem
MEM-Mitglied aufgespürt.
Nach langwierigen Verhandlungen mit
dem Verkehrsmuseums Dresden als Eigentümer der Wagen konnte
schließlich ein Fahrzeugtausch zwischen MEM und dem VM Dresden erreicht
werden. Zwei Wagen sächsischen Ursprungs, die sich in MEM-Obhut
befanden und ursprünglich für den Einsatz mit den MEM-Dampfzügen
vorgesehen waren, gelangten auf diese Weise zurück nach Sachsen und
sind nunmehr vom VM Dresden zur Wiederherstellung vorgesehen . Für MEM
ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, nämlich den
Preußenzug um authentische Wagen dieser typischen Bauart zu ergänzen.
Beide Wagen erreichten schließlich im Februar 1997 den Bahnhof
Minden-Oberstadt, allerdings bezeichnenderweise auf der Straße.
Vielfältige organisatorische Schwierigkeiten und das Kompetenzwirrwarr
zwischen den verschiedenen Dienststellen der neuentstandenen DB-Cargo AG
verhinderten einen "artgerechten" Transport auf der Schiene.
Der Wiederaufbau des Altona
852 erfolgte überwiegend im Rahmen von Qualifzierungs-und
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch verschiedener Aufgaben-und
Kostenträger.
Mit dem Altona
852 nimmt MEM nunmehr seinen komfortabelsten Wagen in
Betrieb, denn als bisher einziger verfügt dieser über zwei
geschlossene Abteile 2. Klasse mit jeweils 8 Plätzen. Er unterscheidet
sich dadurch deutlich von den bis dahin bei der KPEV eingesetzten
Durchgangswagen für den Betrieb auf Nebenstrecken. Dies wird nicht nur
deutlich durch das höhere Tonnendach mit Oberlichtaufsatz, sondern eben
auch durch den Seitengang im Bereich der 2.Klasse, der den
Drehgestellwagen dieser Zeit entspricht sowie dem einseitig
geschlossenem Einstiegsbereich.
Das Fahrzeug gehörte seinerzeit zu
den modernsten Bauformen bei den Preußischen Staatsbahnen.So waren bei
dieser Bauart erstmals große Fenster mit Metallrahmen statt der bis
dahin üblichen doppelten Holzrahmenfenster verwendet worden, die
zusätzlich klappbare Lüftungsöffnungen in den Fensterrahmen sowie als
besondere technische Raffinesse zwei Federwerke je Fenster zum
leichteren Hochziehen des geöffneten Fensters besaßen.
Der Wagen entstand als Teil einer 50
Fahrzeuge umfassenden ersten Lieferung im Jahre 1906 bei der
Waggonfabrik Goossens in Eschweiler. Die tatsächliche Ursprungsnummer
konnte trotz peinlich genauer Freilegung der Farbschichten am
Längsträger des Wagens ebensowenig ermittelt werden wie durch
Auswertung der zugänglichen historischen Quellen und amtlichen
Unterlagen, so dass schließlich als Kompromiss eine Nummer aus der
seinerzeitlich bestellen Lieferung ausgewählt wurde.
Falls jemand bei der Aufklärung der
damaligen Wagennummer helfen kann, sind Hinweise auf historischen Quelle
jederzeit willkommen.Als Anhaltspunkt der Hinweis, dass das Fahrzeug bis
1972 bei der DR unter der Wagennummer 320-227 in den Akten geführt
wurde.
Bis zum Ende des ersten Weltkrieges
wurden von verschiedenen deutschen Waggonherstellern insgesamt über 850
Exemplare der Bauart BC3 i geliefert, was für eine weite Verbreitung im
Reichsgebiet und eine große Beliebtheit bei den Reisenden der damaligen
Zeit spricht.
Bei der Fahrzeugrekonstruktion wurde
wie bei allen MEM-Wagen großer Wert auf Detailtreue gelegt, was
zweifellos gelungen ist und diesen Wagen zum wohl schönsten des
MEM-Preußenzuges macht. Um die Einsatzmöglichkeiten des Wagen nicht
einschränken zu müssen, konnte jedoch auf einige zeitgemäße
Kompromisse bei der technischen Wagenausrüstung nicht verzichtet
werden.
Wir hoffen, dass Altona
852 viele Freunde unter den Fahrgästen finden und lange
Zeit als Aushängeschild des Vereins im Einsatz stehen wird, so dass die
Arbeit und die hohen Kosten der Wiederherstellung sich als gute
Investition in die Zukunft des Mindener Preußenzuges erweisen mögen.
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