Museums-Eisenbahn Minden

Eingetragener Verein - Mitglied im Verband Deutscher Museums- und Touristikbahnen
Fahrten auf den Mindener Kreisbahnen und auf der Wittlager Kreisbahn

 

MEM - Der Verein

Die Strecken

Die Fahrzeuge

Chronik 1977 - 1989

Chronik 1990 - 1999 

Chronik 2000 - 2009   

Chronik 2010 - 

MEM-Aktuell  Sonderfahrten

Fahrplan Minden

Attraktionen Minden

So finden Sie uns in Minden

Der Preußenzug

 

Fahrplan Preußisch
Oldendorf

Entlang der Strecke 

So finden Sie  uns Anschlüsse

Der Nebenbahnzug

Eisenbahn in Minden

 Dampflokmuseum Camlik

Impressum 

Links

Home

 

                              

 

Die neuen Preußen in Minden : 
  2950 Königsberg

 2815  Erfurt 
 2902 Essen  


Im endgültigen Erscheinungsbild kurz vor der Fertigstellung     Foto: W.Kohnen

Im April 2001 hat MEM den historischen Preußenzug um einen neuen Buffet-Wagen ergänzt , der die Bezeichnung"2950 Königsberg" trägt. Wir Können nun den Fahrgästen auch unterwegs ein großes Angebot an Snacks sowie kalten und warmen Getränken in gediegener Atmosphäre anbieten. Wir hoffen, dass Sie als Fahrgast reichlich davon Gebrauch machen und es sich dort gut schmecken lassen werden.

Es war jedoch ein weiter und schwerer Weg, bis aus diesem Fahrzeug das geworden ist, was Sie heute als einen mustergültig in historischem Erscheinungsbild restaurierten und dennoch mit allen technischen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten preußischen Dreiachser bestaunen können.

Beispielhaft für die zahlreichen im Laufe der Jahre von der Museums-Eisenbahn Minden wieder aufgebauten Wagen wollen wir Ihnen den Werdegang dieses seltenen Exemplares alten Waggonbauhandwerks des ausgehenden 19. und frühen 20.Jahrhunderts hier aufzeigen: Es handelt sich hierbei um einen der letzten für die ehemalige Königlich Preußisch Eisenbahn-Verwaltung entwickelten und gebauten Personenwagen überhaupt. Er gehört der Gattung C 3 i tr Pr.15(18) an und wurde ursprünglich als Mehrzweckfahrzeug entwickelt, d.h. er konnte in Friedenszeiten als Personenwagen mit Traglastenabteil und in Kriegszeiten als Lazarettwagen genutzt werden. Dies erklärt auch den Umstand, dass dieser Wagentyp während des Ersten Weltkrieges in großen Stückzahlen gebaut wurde. Gleichwohl konnten sich nur ganz wenige Exemplare bis in die heutige  Zeit hinüber  retten. Der Wagen "2950 Königsberg" ist einer davon.


Der spätere Wagen "2950 Königsberg" nach dem Eintreffen in Minden.        Fotos: W.Kohnen

MEM-Wagenmeister  Klaus Görs hatte den seltenen Wagen kurz nach der deutschen Wiedervereinigung im ehemaligen Bw Ludwigslust zusammen mit einem weiteren preußischen Dreiachser "852 Altona" aufgespürt. Beide Wagen waren nach dem Ende ihres aktiven Einsatzes bei der Deutschen Reichsbahn, wo sie auch stark verändert worden waren, dem Verkehrsmuseum in Dresden übergeben worden und sollten für den Einsatz im Traditions-Personenzug der DR im AW Potsdam originalgetreu restauriert werden. Hierzu kam es jedoch wegen fehlender Mittel und Arbeitskapazitäten nicht. Beide Fahrzeuge dienten zunächst als Werkwagen im AW  Karl-Marx-Stadt. Bis zur vorgesehenen Aufarbeitung in Potsdam wurden beide Wagen als Aufenthalts-bzw. Umkleideräume bei den Verkehrsbetrieben Dresden verwendet. In den Wirren der Wendezeit gelangten beide Wagen in die Obhut des Ortsverbandes Ludwigslust des DMV und sollten dort zusammen mit weiteren, an anderen Orten in Mecklenburg abgestellten historischen Wagen den Grundstock für einen Traditionszug-Betrieb an der Ostseeküste bilden. Die Auflösung der Organisationsstrukturen des DMV und auch der DR nach der Wende ließ jedoch dieses Vorhaben scheitern.
Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verkehrsmuseums Dresden als Eigentümer der Wagen konnte schließlich ein Fahrzeugtausch zwischen MEM und dem VM Dresden erreicht werden. Zwei Wagen sächsischen Ursprungs, die sich in MEM-Obhut befanden und ursprünglich für den Einsatz mit den MEM-Dampfzügen vorgesehen waren, gelangten auf diese Weise zurück nach Sachsen und sind nunmehr vom VM Dresden zur Wiederherstellung vorgesehen . Für MEM ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, nämlich den Preußenzug um authentische Wagen dieser typischen Bauart zu ergänzen.
Beide Wagen erreichten schließlich im Februar 1997 den Bahnhof Minden-Oberstadt, allerdings bezeichnenderweise auf der Straße. Vielfältige organisatorische Schwierigkeiten und das Kompetenzwirrwarr zwischen den verschiedenen Dienststellen der neuentstandenen DB-Cargo AG verhinderten einen "artgerechten" Transport auf der Schiene.


Aufnahmen vom Wiederaufbau des Wagens

Unter maßgebender Förderung durch das Arbeitsamt Herford wurde im Rahmen einer Beschäftigungs-und Qualifizierungsmaßnahme unter dem Titel "Restaurierung historischer Eisenbahnfahrzeuge" in einer mehr als 3 Jahre dauernden Arbeit das Fahrzeug vollständig neu aufgebaut. Hierbei waren eine fast unübersehbare Anzahl von Schwierigkeiten zu meistern. Einen großen Raum nahm allein die Nachfertigung von Waggonteilen in Anspruch. Viele Teile mussten nach Zeichnungen oder Vorlagen neu angefertigt werden. Projektleiter Hans-Joachim Scharmacher könnte ein dickes Buch über alle Probleme und Klippen, die während der Aufarbeitung zu bewältigen waren, schreiben. Einen nennenswerten Anteil haben auch heimische Unternehmen zur Fertigstellung beigetragen. In erster Linie ist die Privatbrauerei Ernst Barre in Lübbecke zu nennen, von der die Thekeneinrichtung samt technischer Ausrüstung stammt sowie die Fa. Melitta, Minden, die Sitzbänke und Tische zur Verfügung stellte.  Finanzierungshilfe leistete das Land Nordrhein-Westfalen, die NRW-Stiftung sowie die Sparkasse Minden-Lübbecke.


Die Aufnahmen von Werner Kohnen lassen erkennen, dass es sich wirklich fast um einen Neubau handelt

 

  2815  Erfurt 
 2902  Essen 

Am Sonntag, den 28.08.2005 , wurden nach jahrelanger Aufarbeitung zwei Durchgangswagen für Nebenbahnen der preußischen Gattung Di in den regulären Museumsbahneinsatz übernommen. Beide Wagen aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Minden zu großen Teilen im Rahmen von AB-Maßnahmen grundlegend aufgearbeitet, was teilweise einem völligen Neubau gleichkam, und stellen damit eine wertvolle Ergänzung der bundesweit einzigartigen Sammlung von betriebsfähigen Fahrzeugen der Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung (KPEV) aus der Zeit um 1900 dar. Die Museumseisenbahn Minden hat damit einen weiteren wichtigen Schritt in der Umsetzung ihres musealen Konzeptes der orginalgetreuen Präsentation eines typischen Nebenbahnzuges aus der Kaiserzeit verwirklicht. Zusammen mit den weiteren Wagen und Triebfahrzeugen, die in den kommenden Jahren den Preußenzug vervollständigen werden, festigen die engagierten Museumsbahner ihre besondere Stellung innerhalb der deutschen Museums-und Touristikbahnen und können den Fahrgästen und Besuchern neben einem nostalgischen Eisenbahnerlebnis auch ein besonderes Stück preußischer und damit deutscher Eisenbahngeschichte anschaulich machen. Beide Wagen werden zukünftig ständig im Zugverband des historischen Preußenzuges eingesetzt werden und ersetzen zwei Durchgangswagen anderer Herkunft, die bereits zu Beginn dieses Jahres an die Hespertalbahn in Essen bzw. die WAB nach Altenbeken abgegeben wurden. Beiden Wagen ist gemeinsam, dass über ihren Ursprung nur wenig bekannt ist, sie beide als Wagen der damaligen IV. Klasse gebaut und nunmehr bei MEM als Sitzwagen der III. Klasse restauriert wurden.

 Einen historisch verbürgten einzigartigen Lebenslauf hat der nunmehr als "ERFURT 2815" in MEM-Dienste gestellte ältere der beiden Wagen aufzuweisen. Von ihm ist anhand alter Wagenkarten bekannt, dass er einer im Jahre 1896 hergestellten Serie von IV.-Klasse-Durchgangswagen entstammt, die die Firma Düsseldorfer Eisenbahnbedarf , vorm. Weyer, an die KED Erfurt lieferte. Aber bereits im Jahre 1902 werden aus dieser Serie vier  Wagen von der damaligen Hauptwerkstätte Tempelhof für den Einsatz in Hilfszügen zu Arztwagen umgebaut, die in verschiedenen Knotenbahnhöfen Thüringens, so in Saalfeld, Gotha , Meiningen und Eisenach stationiert wurden. Durch seine Verwendung als Bahndienstwagen hat dieser Wagen die Jahrzehnte überdauert .Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Verwendung als rollendes Operationszimmer nach 1950 nicht mehr stattgefunden hat und unser Wagen zu einem gewöhnlichen Mannschaftswagen im Hilfszugeinsatz degradiert wurde, wenngleich Teile der Einrichtung, insbesondere das gläserne Dach über dem Operationsraum bis zuletzt vorhanden blieben. Letzte Einsatzstelle bei der Deutschen Reichsbahn war das Bw Vacha. Von dort gelangte er in gleicher Funktion zum VEB Kaliwerk Werra in Merkers und erlebt dort die Wende und den Niedergang der Kaliförderung an diesem Standort zu Beginn der 90er Jahre des 20.Jahrhundert. Zu Beginn des Jahres 1997 erwirbt die Museumseisenbahn Minden den mittlerweile nach Altenbeken gelangten Wagen und rüstet ihn zu einem rollenden Ausstellungsraum für die Jubiläumsfeiern "150 Jahre Cöln-Mindener Eisenbahn" im Herbst 1997 um. Nach dem Ende des Jubiläumsjahres beginnt die Zerlegung zum Zwecke des Neuaufbaus. Um für den Museumsbahneinsatz von Nutzen zu sein, entschließen sich die MEM-Verantwortlichen aus wirtschaftlichen Überlegungen, das Fahrzeug als Wagen III.-Klasse mit Lattenbänken und den charakteristischen Doppelfenstern aufzubauen. Die zunächst erwogene Wiedererrichtung als Arztwagen in seiner ursprünglichen Bauform von 1902 scheitert an der stark eingeschränkten Einsetzbarkeit und fehlenden Sponsoren. Als Arzt- und Operationswagen wäre er zu einem dauerhaften Ausstellungsstücke geworden und nicht in das Mindener Preußenkonzept zu integrieren gewesen, dass eindeutig die Darstellung aller Fahrzeuge im echten Eisenbahnbetrieb in den Vordergrund stellt. Die gewählte Wagennummer "ERFURT 2815" gehört zu den vier Wagen, die 1902 von der KED Erfurt umgebaut wurden; nicht eindeutig identifiziert ist jedoch bis heute die tatsächliche Ursprungsnummer dieses Wagens . Sie hätte auch "ERFURT 2812 , 2813 oder 2814" lauten können.
Der Wagen, dessen betriebsfähige Aufarbeitung sich mit längeren Unterbrechungen über 7 Jahre hinzog, wurde in zahlreichen Belangen wieder in den Zustand der preußischen Nebenbahnwagen der Gattung Ci pr. 94 versetzt. Auf den Einbau eines Aborts wurde zugunsten zusätzlicher Sitzplätze verzichtet. Sämtliche Arbeiten wurden von den über viele Jahre bei der Museumseisenbahn Minden beschäftigten Mitarbeitern im Rahmen von ABM-Maßnahmen sowie den Aktiven des Vereins in Minden ausgeführt. Lediglich die Aufarbeitung der Radsätze und Achslager wurde wie bei anderen Wagen zuvor in die kompetenten Hände der Westfälischen Lokomotivfabrik Reuschling in Hattingen abgegeben.

 

Ebenfalls in der dunkelbraunen Lackierung der preußischen Nebenbahnwagen der III.-Klasse fährt der nunmehr als "ESSEN 2902" bezeichnete Plattformwagen , der als zweites Fahrzeug am 28.08.2005 offiziell in die Dienste der Museumseisenbahn Minden gestellt wird. Auch bei diesem Wagen, der ursprünglich ein Wagen der IV-Klasse nach Musterblatt I 8a von 1894 war, erfolgte der Neuaufbau als Sitzwagen der III.-Klasse  nach Zeichnung der Bauart Ciu pr 94. Einen Abort hat dieser Wagen ebenso erhalten wie die ursprüngliche Dampfheizung. Alle Sitzbänke wurden in Eschenholz neu gefertigt.

Der Wagen "ESSEN 2902" wurde, soweit ist dokumentiert, 1897 in Aachen erbaut. Es handelt sich also um ein entweder von Talbot oder von der wenig bekannten Waggonfabrik Goossens hergestelltes Fahrzeug für die KED Essen. Für den Berufs- und Reiseverkehr im Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen setzte die KED Essen nahezu ausschließlich Abteilwagen ein, Durchgangswagen der Bauarten Ci und Di waren nur in geringer Stückzahl vorhanden. Während des ersten Weltkrieges erfolgt der Umbau für den Einsatz in den damals sehr wichtigen Lazarettzügen des Heeres. Die hierbei vorgenommenen Änderungen hat auch dieses Fahrzeug über die Jahrzehnte bis zum Einsatzende behalten. Sie wurden aus Gründen der Authentizität auch beim Neuaufbau überwiegend belassen.

Über die weitere Einsatzgeschichte ließen sich bisher keine Einzelheiten ermitteln. Wann der Wagen in die RBD Erfurt gelangte steht nicht fest, ebenso sind die Einsatz- oder Heimatbahnhöfe sowie seine Funktion als Bahndienstwagen noch  nicht bekannt. Der Wagen gelangte zum Bww Erfurt, wo er zuletzt als Unterhaltungswagen für die mechanische Wagenwaschanlage eingesetzt war und zu diesem Zweck mit einem Dacharbeitstand ausgerüstet worden war. Im Frühjahr 1990 wurde er von einem MEM-Mitglied in Erfurt "entdeckt" und nach seiner endgültigen Ausserdienststellung bei der RBD Erfurt von MEM erworben.

 Die Restaurierung in Minden erfolgte arbeitsteilig durch ABM-Beschäftigte und MEM-Aktive und zog sich über mehrere Jahre hin.

Die "neuen" Preußen der Museums-Eisenbahn Minden e.V.

 Essen 2902 

Erfurt 2815

Altona 852

Für Freunde historischer Reisezugwagen und Liebhaber preußischer Eisenbahnen war der Termin 08.06.2008  von besonderem Interesse, denn die Museums-Eisenbahn Minden hat den neu aufgebauten Personenwagen „Altona 852" erstmals öffentlich präsentieren. Es handelt sich hierbei um einen Dreiachser der Bauart BC3i pr.05 nach Musterblatt I c.3, der als erster MEM-Wagen Polsterabteile 2. Klasse aufweist und so ein besonderes Beispiel der Reisekultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts darstellt.

Neben dem bereits seit Jahren im Einsatz befindlichen Wagen Königsberg 2950 , der der jüngeren Bauart D3i pr.18, entspricht, kann MEM nun auch den zweiten preußischen Dreiachser in den Zugverband des preußischen Nebenbahnzuges aufnehmen, der die Museums-Eisenbahn Minden weithin bekannt gemacht hat.

MEM hat damit nunmehr, so kurios es klingen mag, das Werk beenden, dass die Deutsche Reichsbahn der DDR in den 1980-Jahren begonnen hat. Die beiden preußischen Dreiachser standen bei der DR bis Anfang der 1970er- Jahre noch im täglichen Einsatz, wenn auch mit zwischenzeitlich stark veränderter Inneneinrichtung. Bereits zum Zeitpunkt ihrer Außerdienststellung hatte man bei der DR und beim Verkehrsmuseum Dresden den historischen Wert dieser Fahrzeuge erkannt und erfolgreich durch Umsetzungen innerhalb der DR-Dienststellen und Übereignungen an reichsbahnfremde Betriebe die Zerlegung oder den Umbau zu Bahndienstwagen zu verhindern gewußt. Nach Unterstellung im RAW Karl-Marx-Stadt wurden beide Wagen an den VEB Verkehrsbetriebe Dresden übergeben und dort für innerbetriebliche Zwecke als Aufenthalts-und Umkleidewagen verwendet. So konnten beide Wagen über die Zeit gerettet werden, bis endlich das RAW Potsdam im Jahre 1989 mit der Wiederherstellung im Ursprungszustand beginnen sollte. Noch im Dezember 1989 waren die Zeichnungen zur Rekonstruktion fertiggestellt worden. Der Wiederaufbau sollte in den Jahren 1990 und 1991 im RAW Potsdam erfolgen, das bereits in den früheren Jahren bei der originalgetreuen Wiederherstellung des Veltener Museumszuges sowie zahlreicher anderer Länderbahnwagen hervorragende Arbeit geleistet hatte und große Erfahrung beim Aufbau historischer Wagen besaß. Jedoch kam es hierzu nicht mehr. In den Wirren der Wendezeit aufgrund der auseinanderbrechenden Strukturen der DR gelangten beide Wagen statt dessen in die Obhut des DMV, Ortsgruppe Ludwigslust Sie sollten zusammen mit weiteren, an anderen Orten in Mecklenburg abgestellten historischen Wagen den Grundstock für einen Traditionszug-Betrieb an der Ostseeküste bilden. Die Auflösung der Organisationsstrukturen des DMV und auch der DR nach der Wende ließ jedoch dieses Vorhaben scheitern. In Ludwigslust wurden sie im Sommer 1990 eher zufällig von einem MEM-Mitglied aufgespürt.

Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verkehrsmuseums Dresden als Eigentümer der Wagen konnte schließlich ein Fahrzeugtausch zwischen MEM und dem VM Dresden erreicht werden. Zwei Wagen sächsischen Ursprungs, die sich in MEM-Obhut befanden und ursprünglich für den Einsatz mit den MEM-Dampfzügen vorgesehen waren, gelangten auf diese Weise zurück nach Sachsen und sind nunmehr vom VM Dresden zur Wiederherstellung vorgesehen . Für MEM ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, nämlich den Preußenzug um authentische Wagen dieser typischen Bauart zu ergänzen.
Beide Wagen erreichten schließlich im Februar 1997 den Bahnhof Minden-Oberstadt, allerdings bezeichnenderweise auf der Straße. Vielfältige organisatorische Schwierigkeiten und das Kompetenzwirrwarr zwischen den verschiedenen Dienststellen der neuentstandenen DB-Cargo AG verhinderten einen "artgerechten" Transport auf der Schiene.

Der Wiederaufbau des Altona 852 erfolgte überwiegend im Rahmen von Qualifzierungs-und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch verschiedener Aufgaben-und Kostenträger.

Mit dem Altona 852 nimmt MEM nunmehr seinen komfortabelsten Wagen in Betrieb, denn als bisher einziger verfügt dieser über zwei geschlossene Abteile 2. Klasse mit jeweils 8 Plätzen. Er unterscheidet sich dadurch deutlich von den bis dahin bei der KPEV eingesetzten Durchgangswagen für den Betrieb auf Nebenstrecken. Dies wird nicht nur deutlich durch das höhere Tonnendach mit Oberlichtaufsatz, sondern eben auch durch den Seitengang im Bereich der 2.Klasse, der den Drehgestellwagen dieser Zeit entspricht sowie dem einseitig geschlossenem Einstiegsbereich.

Das Fahrzeug gehörte seinerzeit zu den modernsten Bauformen bei den Preußischen Staatsbahnen.So waren bei dieser Bauart erstmals große Fenster mit Metallrahmen statt der bis dahin üblichen doppelten Holzrahmenfenster verwendet worden, die zusätzlich klappbare Lüftungsöffnungen in den Fensterrahmen sowie als besondere technische Raffinesse zwei Federwerke je Fenster zum leichteren Hochziehen des geöffneten Fensters besaßen.

Der Wagen entstand als Teil einer 50 Fahrzeuge umfassenden ersten Lieferung im Jahre 1906 bei der Waggonfabrik Goossens in Eschweiler. Die tatsächliche Ursprungsnummer konnte trotz peinlich genauer Freilegung der Farbschichten am Längsträger des Wagens ebensowenig ermittelt werden wie durch Auswertung der zugänglichen historischen Quellen und amtlichen Unterlagen, so dass schließlich als Kompromiss eine Nummer aus der seinerzeitlich bestellen Lieferung ausgewählt wurde.

Falls jemand bei der Aufklärung der damaligen Wagennummer helfen kann, sind Hinweise auf historischen Quelle jederzeit willkommen.Als Anhaltspunkt der Hinweis, dass das Fahrzeug bis 1972 bei der DR unter der Wagennummer 320-227 in den Akten geführt wurde.

Bis zum Ende des ersten Weltkrieges wurden von verschiedenen deutschen Waggonherstellern insgesamt über 850 Exemplare der Bauart BC3 i geliefert, was für eine weite Verbreitung im Reichsgebiet und eine große Beliebtheit bei den Reisenden der damaligen Zeit spricht.

Bei der Fahrzeugrekonstruktion wurde wie bei allen MEM-Wagen großer Wert auf Detailtreue gelegt, was zweifellos gelungen ist und diesen Wagen zum wohl schönsten des MEM-Preußenzuges macht. Um die Einsatzmöglichkeiten des Wagen nicht einschränken zu müssen, konnte jedoch auf einige zeitgemäße Kompromisse bei der technischen Wagenausrüstung nicht verzichtet werden.

Wir hoffen, dass Altona 852 viele Freunde unter den Fahrgästen finden und lange Zeit als Aushängeschild des Vereins im Einsatz stehen wird, so dass die Arbeit und die hohen Kosten der Wiederherstellung sich als gute Investition in die Zukunft des Mindener Preußenzuges erweisen mögen.


Altona 852  - Bauart BCi pr.05


Seitengang II.Klasse


Innenansichten des Altona 852 :  Abteil der III. Klasse ,  

Blick in das Polsterabteil  II. Klasse

Home